SOKAI-Chefin Marion Martyr im Interview: „Es geht immer weiter“

SOKAI wird 25 – zum Jubiläum blickt Geschäftsführerin Marion Martyr auf eine bewegte Zeit zurück und nimmt uns mit auf den Weg von SOKAI 1.0 als One-Woman-Show bis zu SOKAI 3.0 als GmbH mit exklusivem Massage-, Wellness- und Osteopathiezentrum. Ein Erfolgsweg, der im Osten Deutschlands begann und einige Hindernisse bereithielt.

„Es geht immer weiter“

Frau Martyr, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren Selbständigkeit!
MM: Vielen Dank. Kaum zu glauben, dass schon so viele Jahre vergangen sind. Ich erinnere mich noch so gut an die Anfänge – es kommt mir vor, als sei das erst ein paar Jahre her…

Wie fing denn alles an?
MM: Begonnen hat alles im Osten Deutschlands, ich bin nämlich eigentlich ein Kind des Ostens. Der Liebe wegen kam ich 1990 in den Westen, wo sich das mit der Liebe allerdings schnell erledigte. Da stand ich nun: mit einem knapp einjährigen Kind, ohne eigene Bleibe und meine Ausbildung zur Physiotherapeutin wurde hier im Westen nicht anerkannt.

Wieso sind Sie dann nicht zurück gegangen?
MM: Ich hatte noch ein paar andere Dinge vor in meinem Leben – auch beruflich gesehen. Deshalb bin ich hiergeblieben. Neben der Ausbildung zur Physiotherapeutin hatte ich im Osten eine Profisport-Ausbildung als Turmspringerin genossen. Das hat mich mental stark geformt und zielstrebig gemacht. Dazu kam aber auch noch eine Portion Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der passenden Idee und geschulter Disziplin zu sein – und von netten Menschen Hilfe zu bekommen.

„Ich wollte unbedingt etwas Eigenes machen.“

Wie sah diese Hilfe aus?
MM: Ich konnte zunächst bei Freunden unterkommen, wollte aber unbedingt etwas Eigenes machen. Also fing ich an, in einer Kneipe zu kellnern. Dadurch lernte ich natürlich viele Leute kennen – die meine Situation mitbekamen. Von einem Gast bekam ich ein günstiges möbliertes Appartement vermittelt und von einem anderen Gast, einem Kursmakler an der Börse, bekam ich schließlich ein Stellenangebot als Bürohilfe. Dort arbeitete ich neun Monate lang, zum ersten Mal übrigens an einem Computer (lacht). Anschließend kam ich in einer Werbeagentur als Empfangsdame unter – da bin ich endgültig im Berufsleben angekommen.

Inwiefern?
MM: Wenn Sie wissen wollen, was Stress ist, dann gehen Sie in eine Werbeagentur. Ich stand am Empfang unter Dauerstrom, was mir aber großen Spaß gemacht hat. Positiver Nebeneffekt der dortigen Tätigkeit: Durch die vielen englischen Anrufe habe ich mit der Zeit gelernt, Englisch zu sprechen. Die Agentur ging allerdings leider pleite, sodass ich mich wieder neu orientieren musste. Ich entschied mich für eine Ausbildung zur medizinischen Fußpflegerin – was im Nachhinein das Beste war, was ich tun konnte.

…denn damit haben Sie die Grundlage für Ihre Selbständigkeit gelegt.
MM: Genau. Direkt nach meiner Ausbildung habe ich mich im Jahr 1993 selbständig gemacht. Ich habe mit ambulanten Pflegediensten zusammengearbeitet, die mich an ihre Kunden vermittelten. Das war eine tolle Arbeit, denn die älteren Menschen waren immer herzlich, freundlich und waren dankbar, dass jemand zu ihnen kam, der pünktlich, zuverlässig und nett war.

„Da entwickelte sich so eine Eigendynamik.“

Dabei ist es dann aber nicht geblieben, sondern Sie haben mit der Zeit ein ganzes Team aufgebaut.
MM: Ja, zusätzlich zu den ambulanten Pflegediensten habe ich begonnen, Hotels als Kunden zu akquirieren. Mein erstes Hotel, in dem ich mich vorgestellt habe, war das Grandhotel Hessischer Hof, wo wir ja auch heute wieder beheimatet sind. Damals gab es für Massageanfragen keinen großen Markt. Das Wort „Spa“ war noch nicht einmal geboren. Aber die Hotels haben unsere Dienste untereinander als heißen Tipp weitergegeben. Somit entstanden immer mehr Hotels-Partnerschaften im Rhein-Main Gebiet. Es begann die SOKAI 2.0-Stufe, in der ich Mitarbeiterinnen aufgebaut habe, um die stets wachsende Zahl der Anfragen abzuwickeln.

Einige dieser Mitarbeiterinnen sind auch heute noch Teil Ihres Teams.
MM: Ja, einige Mitarbeiterinnen sind schon 13 Jahre dabei. Da musst du als Chefin ja auch irgendwas richtig gemacht haben, sonst halten es die Leute gar nicht so lange mit dir aus (lacht). Dank meinem Team, das mir ein Stück weit den Rücken freigehalten hat, hatte ich auch die Kraft, über die Jahre immer wieder etwas Neues auszuprobieren. So habe ich zum Beispiel im Jahr 2000 das Steigenberger Spa übernommen. Das hat aber strukturell, finanziell und von der Zusammenarbeit her dann doch nicht gepasst, sodass ich schon nach neun Monaten den Vertrag gekündigt habe. Da habe ich sicher Lehrgeld bezahlt – was heute gesehen aber auch eine wichtige Erfahrung war und mich weitergebracht hat.

„Die Leute möchten keinen Hokuspokus.“

Im Jahr 2016 ging es nach einigen Jahren der Wanderschaft schließlich „back to the roots“ für Sie, denn Sie haben im Grandhotel Hessischer Hof, in dem alles begann, den Spa-Bereich übernommen.
MM: Das stimmt, das war ein bisschen wie „zuhause ankommen“, nachdem wir über die Jahre in unterschiedlichen Hotels unseren Hauptstandort hatten. Hier haben wir mit SOKAI nun eine wunderschöne Location gefunden, die hauptsächlich als Privatpraxis für Osteopathie und Physiotherapie dient, von der aber auch alle anderen Wellnessaktivitäten gesteuert werden. Der exklusive Charakter des Hotels spiegelt auch unsere Philosophie wider, denn wir möchten unseren Kunden etwas bieten. Wobei ich ganz klar sagen muss: Die Leute möchten keinen Hokuspokus, sondern eine gute und professionelle Behandlung oder Massage, ein nettes Ambiente und etwas Gutes zu essen und zu trinken. Genau das das bekommen sie bei uns. Und das wissen unsere Kunden auch zu schätzen – nicht umsonst haben wir Stammkunden, die schon viele Jahre zu uns kommen.

Was bedeutet eigentlich SOKAI?
MM: SOKAI ist japanisch und bedeutet „das erfrischende Gefühl“. Diesen Namen nutze ich seit 1996. Damals wohnte ich in Frankfurt-Hausen, wo es eine japanische internationale Schule gab und noch immer gibt. Ich hatte japanische Nachbarn, mit denen ich befreundet war. Die habe ich nach Vorschlägen gefragt für ein japanisches Wort – und SOKAI hat mir gleich prima gefallen.

„Du musst dich alle paar Jahre neu erfinden.“

Welches Fazit ziehen Sie, wenn Sie auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicken?
MM: Mein Fazit ist: Es geht immer weiter. Egal was passiert und egal, was sich auf dem Markt tut, welche Herausforderungen du zu meistern hast: Es geht immer weiter – und damit es immer weiter geht, musst du dich alle paar Jahre neu justieren und neu erfinden. Und klar ist: Es ist ein 7-Tage-Job. Die Branche, in der wir uns bewegen, ist ein Geschäft mit Haken und Ösen. Es gibt einige schwarze Schafe, genug Leute, die dir das Geschäft abgraben möchten und sogar viele Damen, die ihre Massedienstleistung noch etwas erweitern, wenn Sie verstehen, was ich meine. Sowas gibt es bei uns nicht. Wir bieten unseren Kunden erstklassige Massagen – und nur Massagen. Damit sind wir bislang sehr gut gefahren. Was ich in all den Jahren außerdem gelernt habe: Egal ob ein Superstar zu dir kommt oder der Nachbar von nebenan – jeder ist froh, wenn er wie ein ganz normaler Mensch behandelt wird und sich eine Auszeit nehmen kann, in der er sich einfach nur wohlfühlen kann. Das ist sozusagen unsere Mission und unsere Aufgabe.

Wie sieht die Zukunft von SOKAI aus?
MM: SOKAI ist jetzt in der Phase 3.0 und mittlerweile breit aufgestellt: Spa Services, Massagen, Osteopathie, Physiotherapie, Fitness, Ernährung, Beauty – wir bieten eigentlich alles rund um Gesundheit, Fitness, Wohlbefinden und Schönheit. Den medizinischen Bereich möchten wir in den nächsten Jahren weiter ausbauen – SOKAI 4.0 sozusagen. Es bleibt also spannend und Sie wissen ja: Es geht immer weiter (lacht).

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die nächsten 25 Jahre!

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